Es ist komisch – heute vor einer Woche habe ich gerade noch meinen Arbeitsplatz im GI beräumt – bin zwanzig Mal (ist gelogen – war nur drei oder vier mal ) zwischen GI und zuhause hin und her gerannt, um Daten von A nach B zu transportieren – und alles hat nicht so geklappt, wie es sollte... abgesehen, davon, dass ich auch keine Eile hatte zu gehen – denn ein bisschen wehmütig war ich schon...
Mittwoch und Donnerstag habe ich im Prinzip komplett verschlafen.
Freitag war ich mit Farbe spielen und habe mit T. die Wände seines Betongartens verschönert – eine sehr schöne Beschäftigung – die erste, die mich hier an Dresdner Verhältnisse erinnert hat – einfach zu jemandem nach Hause gehen und Wände anmalen... interessant – hätte nie gedacht, dass ich so was mal vermissen würde.
Abends nachdem wir vollgekleckst die erste Runde geschafft hatten, bin ich zur „kına gecesi“ (Henna-Nacht) einer Ex-Kollegin und Freundin gegangen.
Die Henna Nacht ist die Nacht vor der Hochzeit – die im Deutschen traditionell von den Männern mit Wein, Fremdweib und Gesang gefeiert wird – hierzulande feiern die Frauen – traditionell ohne Männer – mit Tanz, Gesang und Henna-Zeremonie.
Da N. aber eine Frau ist, welche Gleichberechtigung anstrebt, so durften auch die Männer mitfeiern – inklusive Bräutigam– und war es eine kleine gemütliche beschauliche Feier, welche sich aus ca. 200-250 Frauen, Männern und Kindern zusammensetzte

Trotzdem, dass N. traditionell nicht so sehr bedacht ist, musste in der Henna-Nacht das Henna-Ritual natürlich wenigstens ansatzweise durchgeführt werden.
Das sah in unserem Fall so aus, dass die Braut abseits der Feier ein traditionelles Gewand anzogt (nachdem sie zuvor ein wunderschönes veilchenfarbenes Kleid anhatte ) und ein Tuch über den Kopf gelegt bekam. Dann wurde sie von einer Gruppe Frauen, welche mit Kerzen und Tüchern (die von der Brautfamilie verschenkt wurden) wieder zur Feier geleitet. Dort angekommen wurden die Hände der Braut mit Henna bemalt, über die Hände wurden traditionelle Handschuhe gezogen und der Bräutigam befreite die Braut vom Kopftuch. Danach bekamen alle Frauen (die wollten) einen Hennapunkt in die Handfläche gemalt und bekamen kleine glitzernde Säckchen mit Hennapulver und dem türkisch-griechischen Schutzauge geschenkt.
Braut und Bräutigam gingen derweil durch die Feier-Gesellschaft und zeigten sich...

Der Rest des Abends wurde mit Tanzen, Schwatzen und Trinken bewältigt.
Am nächsten Tag wurde es dann hochoffiziell ernst – die traditionelle Hochzeit hatte schon ein paar Tage zuvor stattgefunden – nun wurde noch einmal staatlich beglaubigt geheiratet.
Ich habe mich dazu verleiten lassen, das rosane Tuch, welches ich in der Henna-Nacht geschenkt bekam, als Rockschmuck zu tragen ...
Meine liebe N. sah aus wie eine Prinzessin
(wie es nun mal Bräute so an sich haben), die Zahl der Gäste war für mich nicht abschätzbar – es waren auf jeden Fall viiieeele.
Nachdem der Heiratsvertrag unterschrieben war stellte sich das Brautpaar - von einer Videokamera bewacht - im Foyer auf und alle kondolierten mit Glückwünschen und kleinen Goldstückchen.
Nach verdammt langem Warten und ungefähr 50-100Mal eine türkische-Glückwunschformel-vor-mich-hinplappernd (die ich hinterher natürlich sofort wieder vergessen habe ) durfte ich dann auch Glück wünschen und fiel natürlich mal wieder etwas aus der Reihe, weil ich vermutlich die Einzige war, die kein Goldstückchen oder 20YTL-Schein geschenkt hat...sondern einen „Ehe-Krisen“-Erste-Hilfe-Box....
Beim Verlassen des Foyers bekamen alle Gäste noch eine kleine Keramik-Truhe mit zwei Stückchen Zucker darin – als süße Erinnerung an die Hochzeit geschenkt...
Da Feiern so schön ist, war ich abends noch mit E. tanzen und auf dem Taksim Meydanı „Stadt der Engel“ spielen... wer den Film kennt: es gibt dort eine kurze Szene in der N.C mit seinen Engelfreund auf einem Straßenschild über einer riesigen Straße sitzt und sie sich unterhalten... ich habe am Taksim Meydanı einen Platz entdeckt, an dem ich mich ein ähnliches Gefühl ergreift...
In dieser Nacht habe ich auch Piyanister zum letzten Mal (und seit langer Zeit zum ersten Mal wieder) getroffen, da er nächste Woche zur Armee geht –was hierzulande noch eine etwas andere Bedeutung hat, als in Deutschland und es zusätzlich außer Ausmustern keine andere Wahl gibt. Und zum Ausmustern musst du entweder todkrank oder schwul sein...
Die Begegnung war komisch – und ich wusste wieder genau, warum ich ihn die ganze letzte Zeit nicht gesehen hatte – ich kann einfach nicht mehr mit Menschen umgehen, die versuchen, ihre komplette Lebenskrise und -Depression an mir auszuleben...
Und da Feiern so schön ist, habe ich mich mit T. am nächsten Abend ins China-Restaurant begeben und mich am offenen Büffet dick und rund gefuttert –
eine erholsame Abwechslung von meinem Fastfoodleben...
Danach haben wir nett Film geschaut –
eine nette Abwechslung von meiner Fernseh- und Internetfreien Zone zuhause...
Das Restaurant liegt übrigens in einem überdimensionalen Kaufhaus namens „Cevahir“ (Fotos folgen) und demnächst werde ich mir noch ein Kaufhaus anschauen gehen, welches dieses noch um Weiten übertreffen soll....ich meine, wenn das Mädchen vom Lande schon mal in die große Stadt kommt – nich?!?...
Ansonsten versuch ich mich grad mit Praktikumsbericht, Türkisch- und Soziologie-Lernen gleichzeitig zu beschäftigen...wobei die Soziologie wie immer am Kürzesten kommt...
Schiffe habe ich noch keine bestiegen – aber wenn ich es schaffe, mal vor 12 aufzustehen, gehe ich mir morgen mal den Topkapı Saray anschauen...
Da ich natürlich nicht umhin komme, euch noch mit weiteren Fotos zu belästigen , hier noch eine kleine Auswahl
Die „Cihangir-Treppen“: ein wunderschönes (und angeblich sehr gefährliches) Pflaster um sich die Nächte bei Bosporusblick und Wein um die Ohren zu schlagen.


„Meine“ „Haus“-Katzen.
PS: der Countdown läuft unaufhaltsam rückwärts und tickt inzwischen auch schon ganz schön laut.... noch 3,5 Wochen
PPS: es ist jetzt Ortszeit viertel drei am Morgen... das mit dem Aufstehen vor zwölf wird eher schwer :(
PPPS: dıe schiefgegangenen Fotos werden beim naechsten İnternetcafebesuch korrigiert - sorry dafür....
PPPPS: sorry auch für den fortlaufenden Text - bin wohl irgendwann mal auf irgendeine Taste gekommen und das Schreibformat meines Blogs hat sich geaendert - leider hab ich keinen blassen Schimmer, wie ich das korrigieren kann... ihr müsst es ja nur noch 3,5 Wochen mit dem Leseelend aushalten...








