mein Frühling mit Herrn Sommer im Winter


pazartesi günü 13 aralık 2010



eigentlich fehlen mir die Worte
für all die schönen Dinge
die mir letztes Wochenende
begegnet sind
also werde ich schweigen
und vor mich hin lächeln
...



Foto: Grace Winter / Pixelio

noch ein Mal schlafen...


perşembe günü 9 aralık 2010




wenn die Woche zwei Wochen wird:

Montag-Vormittag bis Freitag-Abend
und
Freitag-Abend bis Montag-Vormittag

morgen Abend ist Freitag-Abend
und ich werde auf einem weißen Ross
durch den weißen Schnee
zu meinem Märchenprinzen reiten

hihi



no rain - no rainbows

oder die Geschichte von 
"warum in diesem Drecks-Leben alles seinen Preis hat" 
oder auch wahlweise von 
"warum kein Alkohol auch keine Lösung ist"



pazartesi günü 22/23 kasım 2010

es ist traurig einen vertrauten Platz zu räumen
aber das ist wohl der Preis für die Freiheit

Kater gestreichelt,
Zahnpasta mitgenommen,
Zahnbürste stehen gelassen,
mal sehn, was aus ihr wird...
 Tür zu,
Licht aus.

...

'gottseidank'
wollte niemand
saufen gehen
mit mir
gestern
Abend.


Meine Welt steht Kopf...

 pazar günü 21 kasım 2010



Alles, 
was ich in den letzten Jahren geglaubt habe, 
endlich begreifen zu müssen,
steht in Frage.

Ich sehe mich
vor 10, 12... ja 14 Jahren 
und frage mich
warum die letzten 10, 12, 14 Jahre?
Warum erst alles
verbiegen,
verlernen,
verleugnen,
begraben
?

Um es dann wiederzufinden.

In einem anderen Menschen.

Die einzige Antwort,
die ich aus rein psychisch-existentiellen Gründen gelten lassen kann, ist:
Weil ich es sonst hätte heute nicht wertschätzen können.

Einen Dank an den Himmel,
an Kasiopeia  und Orion.



Ist der Sommer schon vorbei?


pazartesi günü 8 kasım 2010



Morgen ist Dienstag.
Morgen geht es wieder ins echte Leben.
Keine Putzfrauen mehr (auch wenn wir uns inzwischen richtig angefreundet haben :))
Kein lärmender Speisesaal, keine Bademäntel, 
keine Schließzeit,
keine 110 Grad minus um 7:40 und 13:00...

Aber auch
keine philosophischen Gespräche mehr mit dem Ergotherapeuten,
keine Rehe mehr vom Balkon aus oder Hasen im Garten beobachten,
kein Blickfeld bis zum Horizont,
keine Spaziergänge durch den Wald, mit dem ich inzwischen Freundschaft geschlossen habe,
keine...

Philospohisches Nachspiel:
Was passiert, wenn man sich selbst begegnet?
Oder zumindest einem Menschen, der nur ansatzweise so ist, wie man selbst?
Gibt es den Effekt, den zwei Magneten haben, wenn sie sich mit den gleichen Polen gegenüber stehen?
Oder gerade den entgegengesetzten?
Oder wird es eine explosive Mischung aus beidem?
Ich werde dieser Frage weiter nachgehen
und hoffe, dabei den spinnenfeinen rote Faden nicht zu verlieren,
der mir von einer guten Macht in die Hand gegeben wurde.


Nachrichten aus dem Straf...äh...Kurvollzug





pazar günü 24. ekim 2010




Gedämmte, dumpfe Geräusche, gelangweilt hinter Glas, die Welt vor dem Glas betrachtend... viel Zeit zum Denken...'Ist es da draußen spannender als hier drinnen?' gegen die Scheibe klopfen "Ist es bei euch da drinnen auch so unspannend wie hier draußen?" Nach Jahren endlich die Frage beantwortet: vor dem Glas ist die Welt nicht spannender als dahinter...dann zur nächsten Frage, man hat ja noch ein paar Jahre: 'Ist hinter dem Glas vor dem Glas oder gar vor dem Glas hinter dem Glas?'

Ich lasse den Fisch in Ruhe sinnieren und besinne mich darauf, was ich eigentlich wollte: eine Postkarte an die Welt schreiben.

Liebe Welt,
ich bin jetzt seit 12 Tagen in Brandis zur Kur und habe gelobt, ab sofort alles nur noch positiv zu sehen:

Ich habe Verlängerung bekommen ☺
Deshalb ist in 2 Tagen Bergfest ☺
Es ist total toll hier ☺
Die Klinik liegt wunderschön am See ☺



Das Wetter ist prima!



Das Essen schmeckt in Gesellschaft besser als alleine ☺



Die Leute hier sind nett, intelligent und auch optisch sehr annehmbar ☺



Das Therapieprogramm ist gut durchdacht ☺

Laufband zum Warmwerden nach der Kältekammer (-110Grad Celsius) immerhin schon 2 Stunden danach.

Progressive Muskelentspannung. Bis jetzt bin ich jedes Mal eingeschlafen.


Ich habe viel ungestörte Freizeit ☺

"Das geht so aber nicht, wir sind doch hier kein Hotel!"


Leider nur, dass sowohl Putzfrauen, als auch Schwestern, Handwerker und diverse andere Leute nie die Privatsphäre der PatientInnen achten...oder sagen wir, sie tun es auf ihre Art und Weise 'Klopf, klopf' "Nein" 'Tür aufschließen, reinkommen' "Ich schlafe!" 'Mülleimer rautragen, neue Tüte rein, wieder reinbringen' "Ich schalfe wirklich!" 'Oh, Tschuldigung! Bedrückt rausgehen, Tür zu'


Wenn ich jedoch Intresse an abwechslungsreichen Abendbeschäftigungen habe, sind dem keine Grenzen gesetzt: weihnachtliches Basteln, Wollbilder gestalten, Seidenmalerei, DDR-Comedy und vieles mehr ☺

Es gibt sogar eine Bibliothek hier ☺



Die Räume sind gemütlich ☺





mein Flur

Bistro Chopin


Und die Architektur ist bestechend ☺

Ich habe meine (Nass)Zelle etwas aufgepeppt



Lauflernweg und Kräutergarten



stairway to heaven



die Kneipp-Stühle bei ihrer Feierabendbeschäftigung


Wir PatientInnen hier werden als erwachsene Homo Sapiens wahrgenommen ☺

"Sie stehen vor einer Treppe"

"Nur für den Fall, dass Sie den Feuerlöscher suchen, er befindet sich unterhalb des Schildes."

"Falls Sie sich auch ansonsten nicht zu helfen wissen, die nette Dame in rot, mit dem hübschen Häubchen kommt bestimmt sofort."

Patientenverwaltung, da fühlt man sich doch gleich gut behü..verwaltet

Nur für diejenigen, die schon immermal einen Müllcontainer von innen besichtigen wollten - denen sei gesagt:



Auch werden wir als einzigartige Individuen behandelt ☺



Außerdem gibt es hier adrette, hilfsbereite junge Männer ☺

Altarpult von Wbra im Wurzender Dom


Liebe Welt, du siehst: hier bist du noch in Ordnung! ☺


Eines irritiert mich jedoch: warum ist das Schach in Sicherheitsverwahrung?



Warum erscheint mir das alles hier als Zerrbild der Realität?



Mich das fragend, mir sagend, mich erinnernd an meinen Schwur: 'Ich seh das Gute nur!', wende ich mich zur Natur:

manchmal versucht es das Wetter auch mit einem Versöhnungsangebot





sonnengelb

ich habe einen Schatten

Herbstwiese





leuchtend rote Beeren

Sanddorn

rot-grün

grün-rot

Ein Männlein steht im Walde ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald allein Mit dem purpurroten Mäntelein.
Das Männlein steht im Walde auf einem Bein Und hat auf seinem Haupte schwarz Käpplein klein,
Sagt, wer mag das Männlein sein, Das da steht im Wald allein Mit dem kleinen schwarzen Käppelein?



Was wollte Gott uns damit sagen?

Amsel-Dame



verwachsen

verirrt...haben sich die Orangen im graun Herbsthimmel

verwirrt... ist dieser blühende Haselnusstrauch

verwirrt... sind diese Forsythien mit Sicherheit auch

heute war ich noch einmal am unteren Ende des Westbruches...

und siehe da, es wird wirklich geklettert

aber auch der schönste Herbsttag hat irgendwann einmal ein (wüstes) Ende...







So liebe Welt, der Platz auf der Karte geht zu Ende... Sei lieb umarmt, ich wünsche dir eine gute Nacht!
Deine Siyah.