Sonnabend 11.August 2007
Ok- um dort fortzusetzen, wo ich das letzte Mal aufgehört habe...
Ich hab es nach einigen zu erwartenden Anlaufschwierigkeiten am Mittwoch noch in meinen Touritag hinein geschafft...
Land der KnubbelDaher gibt es wieder einige Fotos zum angucken...
Gestartet bin ich wie geplant am Top Kapı Sarayı.
Topkapı Sarayı 2006Leider war der in dem Bereich, in dem ich mich aufgehalten habe recht unspannend...da ich aber keine Lust auf Museum hatte, hatte ich auch keine Lust Eintritt zu bezahlen...
Bewacher-LebenDafür gab es aber eine schöne grüne Wiese, was hier eine Seltenheit darstellt – zumindest um diese Jahreszeit – deshalb musste ich sie gleich eine Runde besitzen und fotografieren.
mal wieder WieseDanach bin ich in den anliegenden Gülhane-Park gegangen,
Baum-Blickwelcher sich für meine neugierige Nase als wesentlich spannender herausgestellt hat, da sich dort wesentlich weniger Touris, aber mehr Bevölkerung herumtrieb...
Als Erstes ist mir dort das Glück in Person von drei weißen Hasen und drei gescheckten Tauben mit einem menschlichen Bewacher begegnet, welcher der Meinung war, das Glück dürfe man nicht fotografieren. Daher gibt es leider nur ein etwas *unglückliches* aus-der Hand-Foto...
das Glück- ich hoffe, es hat dem Glück nicht geschadet.
Das Prinzip des Glücks ist, dass die lieben Tierchen - äh das Glück, welches vermutlich unter Beruhigungsmitteln steht, dir ein kleines Papier-Los aussucht und du dann natürlich mehr Glück hast, als wenn du es selbst ausgesucht hättest – ist ja auch logisch – wenn das Glück persönlich nachhilft :)
Im Park wimmelte es neben einem Haufen Familien, die ein wenig Schatten suchten,
natürlich von Pärchen und Kopftuchpärchen, die ein wenig Ruhe vor ihren Familien suchten.
KopftuchpärchenIn den letzten Wochen ist mir auch aufgefallen, dass es irgendwie immer mehr Frauen in Burga gibt – eine richtige Erklärung dafür habe ich nicht: vielleicht machen sie Urlaub und kommen dazu aus dem berüchtigten Ostanatolien in die große Stadt- denn alles was Geld hat reist zu dieser Zeit aus Istanbul aus – aufs berüchtigte „Land“, da das Stadtleben in dieser Zeit angeblich sehr heiß ist – vielleicht kommen die Leute ja aus dem selben Grund hierher – denn dort ist es grad noch wesentlich heißer... :)
Auf jeden Fall sehe ich grad ständig extrem junge Frauen, welche bis auf die Augen in Burga verhüllt sind, manche tragen dazu noch Sonnebrille, dass nichts persönliches mehr von ihnen zu sehen ist. Im Park habe ich allerdings zwei Mütter fotografiert, welche es mir angetan hatten.
Burga 1
Burga 2Und – wie alle Menschen die mich ein wenig kennen- wissen, sind die beiden Orte in der Welt, an denen ich die meiste Zeit meines Lebens verbringe: mein Bett und das Klo.
WC-GeschichtenHier in der Türkei hat sich der zweite Ort als extrem interessante Informationsquelle herauskristallisiert, was mich frohen Mutes auch mal eine halbe Stunde Wartezeit überleben lässt :)
Da sich Frauen scheinbar in allen Landen vor anderen Frauen – seien sie auch sonst woher, qua Geschlecht nicht genieren – weiß ich inzwischen was alte Musliminnen so alles unter ihren Röchen tragen, wie Kopftücher gesteckt werden und wie das geheimnisvolle „Unterkopftuch“ aussieht und überhaupt – viele Geschichten zwischen Knatsch und freundlicher Rücksichtnahme....
Nach meinem Besuch im Park hat es wie so oft an den Bosporus gezogen – welchen ich (sollte ich es schon erwähnt haben?!?) sehr vermissen werde. Ich hatte ja schon die Idee, den Bosporus einfach mitzunehmen und ihn zwischen die Elbwiesen zu montieren... natürlich mit den Möwen, den warmen Sommernächten und natürlich dem (fast)immer-blauen Himmel.
miss-HimmelAuf dem Weg zum Bosporus sind mir ein paar ungewöhnliche Reisende begegnet.
Wohin des Weges?...PanzerAm Bosporus kann Mann viele Sachen machen: z.B. Angeln.
Gut ausgerüstet für alle Lebenslagen lässt es sich so gut tagelang fern vom holden Hausdrachen aushalten.
Hätte ich mir vielleicht auch solch einen schönen oder aber auch weniger schönen Sonnenschutz mitgenommen hätte ich vielleicht nicht die folgenden zwei Tage das Bett und das Klo gehütet...nun ja – irgendwann werde ich sicher noch erwachsen – ich will denjenigen, die daran glauben, mal die Hoffnung nicht nehmen :)
Angler-LebenKind kann am Bosporus auch schöne Dinge machen – Frauen ist dies auch gestattet.
Diese alte Dame hier läuft den ganzen Tag an der Küste entlang – mit 2-3 Ferngläsern und ruft unaufhörlich „5 Minuten schauen 25 Kurusch“, „5 Minuten schauen 25 Kurusch“, „5 Minuten schauen 25 Kurusch“...Bis ich herausbekommen habe, dass die Frau Ferngläser verleiht, um aus die asiatische Seite zu schauen, hat es auch ungefähr 5 Minuten gedauert – ist nur die Frage, wer dann die 25 Kurusch (ca.13ct) bekommt – und wofür?!? :)
5 Minuten 25 KuruschWozu mensch kein Fernglas brauchte, weil es einfach mal sooo groß war, war dieses Schifflein. Fast jeden Tag und fast jede Nacht liegen sie genau unterhalb der „Cihangir-Treppe“ (-->letzter Blogeintrag) –diese Schiffe sind einfach so dermaßen groß, dass sie mich jedes Mal aufs Neue in Staunen versetzten- sie haben locker die Länge von 12 durchschnittlichen Häusern und sind so hoch wie mindestens 2 davon.
Eindrücklich hinter dem Schiff ist Istanbuls schönste Bauruine zu sehen – welche da nicht etwa aus purem Geldmangel so dumm da rum steht, sondern weil clevere Satdtbeamte den Bauherren untersagt haben, dieses Riesenmonstrum weiterzubauen, da es die Stadtansicht verschandelt (wobei ich ihnen unumwunden Recht geben muss!) nur leider haben sie vergessen, dass man das Ding dann auch vielleicht wieder abreißen sollte?!?
große FischeEs gibt am Bosporus aber nicht nur Baudenkmäler zu sehen, sondern wenn mensch seinen Blick auf die asiatische Seite (mit oder ohne Fernglas) wendet und Richtung Kadiköy schaut, könnte man glauben, einen Heißluftballon zu sehen... so ganz falsch ist das nicht – aber das wäre ja viel zu einfach...der Ballon – fliegt – mit Heißluft – nach oben – ganz richtig...aber er fliegt nicht weg – denn er ist Teil eines Cafés und ist quasi ein fliegender Aussichtspunkt...
KadiköyAber warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah (hat mein Opa immer gesagt – wenn ich nur wüsste, von wem er’s geklaut hat – war’s Goethe?!?)
Nun ja – tu die Betrachterin das auf jeden Fall kann sie einer Beschäftigung ansichtig werden, die diesmal 100% Männersache ist – beim Angeln gibt es Ausnahmegenehmigungen für besonders taffe Frauen – mit oder ohne Kopftuch.
Das Bosporusbeschwimmen.
Da ich ja aber wieder mal den Mann markieren musste und ungeachtet dessen, dass der Bosporus sau dreckig sein soll, bin ich in voller Kleidung schwimmen gegangen. Was den Erfolg hatte, dass zwei der nahsitzenden zarten Pärchen das Weite gesucht haben, als ich wieder aus dem Wasser gepatsch kam und ich mir bei zwei weiteren älteren sympthischen Herren soviel Respekt eingehandelt habe, dass sie mir gleich ein Bier spendieren wollten, was ich tropfend abgelehnt habe :)
BosporusschwimmerNachdem die Sonne dann leider unterging und ich immer noch nicht trocken war, habe ich plitsch platsch unter etwas schrägen Blicken das nächste MC-Donalds-Klo aufgesucht und meine Klamotten so weit wie möglich getrocknet und gewechselt...wir hatten ja den Plan nicht krank zu werden :)
wiedereinmal Sonnenuntergang...Auf dem Nachhauseweg habe ich noch meine Ex-Kollegen vom Sicherheitsdienst besucht, welche ich derzeit zum Türkisch-Lernen missbrauche...
Ein Tandem ist mir auch schon zugelaufen – morgen treffen wir uns zum ersten Mal...
Fransız SokağıAuf dem Nachhauseweg lag auch noch die Fransız Sokağı, die ich mir schon seit Längerem vorgenommen hatte zu fotografieren. Dank einer Tüte voll Positivsexismus, Fremdenliebe und Verkaufsinteresse hat mir ein junger schöner Kellner die Möglichkeit zu diesem Foto verschafft – unfreundlicher Weise habe ich sein Angebot zum Teetrinken ausgeschlagen – einfach weil ich nach wie vor nass und dreckig und inzwischen hundemüde war...
So ist Fräulein “du hast ein schönes Auge” (Achtung, Insider!) wieder unbeteet von dannen gezogen.
Sonnenuntergang111Und da ich es natürlich nicht lassen konnte, bin bei ca.75% Genesung wieder aus dem Bett gesprungen, habe beschlossen, dass ich jetzt wieder gesund bin- und bin auf die nächste Party gerannt. Ich habe zur Zeit vier recht gute Freund hier (die anderen sind noch oder schon weg) – alle waren mit mir dort und es war eine sehr schöne Nacht (und Morgen und Vormittag und...ähm hüstel..) was ich sagen wollte: langsam schleichen sich hier – vielleicht gerade in diesen schönen Momenten die „geh nicht!“ –Sätze ein. Und es ist so ganz anders, als wie ich aus Dresden weg bin, denn ihr in Dresden bekommt mich ja wieder... aber hier...klar, bin ich zu Weihnachten wieder hier...klar, kenn ich eben dies Vier gerade mal seit 1,5-2,5 Monaten... und ja – ich bin müde, höre grad Madredeus – das macht alles mehr als sentimental – na und?!?
Ganz zum Schluss - mal wieder drei Uhr morgens...muss ich es zwingend erwaehnen: ich sitze im VIP-Raum für Frauen hier im Internetcafe...
was dir Türkei nicht alles zu bieten hat :)